ARTHROSE – muss das sein?

Dr. med. Martin Freiherr von Rosen, Inhaber der Facharztpraxis für internistische & naturgemäße Ganzheitsmedizin mit seinem Vater Dr. med. Jürgen Freiherr von Rosen, Ärztlicher Leiter der Schlosspark-Klinik. - Foto: ©Schlosspark-Klinik

Knirsch – hink – aua, knirsch – hink – aua. So geht es vielen von uns. Und es werden immer mehr. Die Orthopäden haben Hochkonjunktur, und die Operateure kommen ins Schwitzen. Schon jüngeren Menschen wird zur Operation geraten, da sie sich dann nicht mehr so lange quälen müssen.
Sind wir mit 50 Jahren schon alt? Sind unsere Gelenke dann schon verbraucht? Es gibt doch viele 80-, 90-, 100-Jährige, die noch alle Gelenke haben und diese auch gut benutzen können. Also gibt es anscheinend ein Geheimnis, mit dem es gelingt, normale Gelenke zu behalten.
Es gibt wirklich ein Geheimnis. Dieses heißt: Gesunde Lebensweise!! Was ist das? Es kommt jetzt die Erklärung, warum viele Menschen ihre Gelenke gesund erhalten. Und warum andere schon in jüngeren Jahren einen Gelenkverschleiß haben, der dann häufig zur Operation führt.
Jedes unserer ca. 260 Gelenke ist nach dem gleichen Muster aufgebaut: Oben und unten ist ein Knochen, auf dem eine Knorpelschicht liegt, die auf dem Knochen festgewachsen ist und von diesem durch Diffusion ernährt wird, da der Knorpel keine eigenen Blutgefäße hat. Beide Knochenenden mit ihrer Knorpelschicht werden von einer Gelenkkapsel umgeben, die auf der Innenseite eine Schleimhaut besitzt. Diese Schleimhaut scheidet die Gelenkschmiere aus, eine Flüssigkeit, die wie in einem Getriebe die beweglichen Teile vor zu starkem Abrieb schützt.
Unsere Gelenke funktionieren aber besser als Getriebe. Denn die Gelenkflüssigkeit wird bei jeder Bewegung in die obersten Knorpelschichten eingepresst und ernährt auf diese Weise die innen gelagerten Knorpelteile. Der Knorpel wird also auf der Knochenseite vom Knochen, auf der Innenseite von der Gelenkschmiere ernährt.
Wenn nun unsere Lebensweise, besonders die Ernährung, nicht optimal den Knochen  bzw. die Gelenkinnenhaut mit der Gelenkflüssigkeit mit den notwendigen Nährstoffen versorgt, dann kann der davon abhängige Knorpel auch nicht optimal ernährt werden. Das ist doch ganz logisch. Jedes Kind kann das begreifen. Nur wir Ärzte verstehen die Zusammenhänge nicht und raten unseren Patienten dann aus Unwissenheit zu einer Operation.
Was ist zu tun? Wir müssen unsere Ernährung optimieren, damit Knochen und Gelenkschleimhaut optimal versorgt werden. Denn der Knorpel ist von beiden Versorgern abhängig, weil er nicht direkt über das Blut ernährt werden kann, sondern nur durch Diffusion (Knochen) oder Bewegung (Gelenkschmiere). Wir müssen alle Gelenke also auch möglichst optimal bewegen. Das geschieht durch die Arbeit, durch Gymnastik, Yoga und viele andere Methoden. Wir können uns das heraussuchen, was uns Spaß macht, wofür wir genug Zeit haben, was unseren Knorpel schonend ernährt.
Denn es gibt auch Gefahren, besonders im Sport. Fußball, Rugby, alpiner Skisport, Skispringen, Gewichtheben und viele andere Sportarten führen oft zu massiven Gelenkverletzungen (s. Boris Becker mit zwei künstlichen Hüftgelenken). Man sollte also moderat, aber nicht exzessiv Sport treiben und Sportarten mit hochgradiger Verletzungsgefahr eher meiden. Dann hat man möglicherweise auch mit 100 Jahren alle seine eigenen Gelenke in einem guten Zustand.