Die obstruktive Schlafapnoe

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Operative Schlafapnoe-Therapie
Die obstruktive Schlafapnoe 

Die obstruktive Schlafapnoe ist die mit Abstand häufigste Form der Schlafapnoe. Sie ist eine anatomisch bedingte Krankheit und kann deshalb in den allermeisten Fällen durch eine chirurgische Korrektur der anatomischen Gegebenheiten vollständig geheilt werden. Um zu verstehen, wie das möglich ist, muss man herausfinden, wo sich die Obstruktion (Verengung) befindet.
Die Verengung lässt sich fast immer in den oberen Atemwegen lokalisieren und kann verschiedene Ursachen haben. Vergrößerte Mandeln, sehr großes und langes Gaumenzäpfchen, aber auch Tumore und Polypen im Rachenraum können eine Verengung verursachen. In den meisten Fällen ist allerdings eine Rücklage einer oder beider Kiefer die Ursache der verengten Atemwege. (Abb. 1)


(Abb. 1) DVT Röntgen. Patient mit einer
Unterkieferrücklage. Die Atemwege sind
verengt. Patient leidet an einer schweren
Form der obstruktiven Schlafapnoe.

In der Abbildung ist der Oberkiefer zu klein, bzw. liegt dieser zu weit zurück, liegen der harte und der weiche Gaumen auch zu weit zurück und verengen dadurch die Atemwege. Auch die Zunge, die sich in ihrer Ruhestellung normalerweise an den Gaumen drückt, hat dadurch weniger Platz und verengt deshalb ebenso die Atemwege.
Bei einem zu kleinen bzw. zu weit zurückliegenden Unterkiefer ist die Situation sehr ähnlich. Die Zunge hat ihre „Wurzel“ im Unterkiefer im Bereich des Kinns. Ist der Unterkiefer zu klein, oder liegt zu weit zurück, hat die Zunge nicht genügend Spielraum und verengt dadurch die Atemwege. Die Zunge wächst trotz zurückliegendem Unterkiefer normal weiter bis zur vorgesehenen Größe, weshalb man in jungen Jahren noch keine großen Auswirkungen der Schlafapnoe bemerkt. Aufgrund der nachlassenden Muskel- und Gewebespannung werden die Symptome der nächtlichen Atemaussetzer mit zunehmendem Alter von Jahr zu Jahr schlimmer. Der Körper kann dann die vorhandenen anatomischen Schwächen nicht mehr kompensieren. (Abb. 2)


Abb. 2: DVT Röntgen. Derselbe Patient nach
der Beehandlung,. Wie in Abb. 1 nach einem
bimaxillären Advancement mit counterclockwise
Rotation (Vorverlagerung des Ober- und Unterkiefers
mit Rotationsbewegung nach oben). Die Atemwege
sind ausreichend geweitet. Patient hat 6 Monate
nach der Operation keine Atemaussetzer mehr und
gilt als geheilt.

Die Operation
Der Kiefer wird mit einem Ultraschall-Osteotom (Piezochirurgie-Instrumente) schonend getrennt. Deshalb ist die Zeit nach dem Eingriff sehr schmerzarm, da nur in die Knochenstruktur eingegriffen wird, in der sich keine Nerven befinden. Eine solche Operation muss akribisch geplant werden und bedarf einer mindestens zwei- bis dreiwöchigen Vorbereitungszeit. Es wird bei jedem Patienten ein DVT (Digitale Volumentomographie / 3D Röntgen) erstellt und mit einem 3D Scanner das komplette Gesicht gescannt. Nach der genauen Planung wird eine Simulation der Ergebnisse erstellt und mit einem Computerprogramm die simulierten Atemwege nach Verengungen und Turbulenzen überprüft. (Abb. 3).
Erst wenn in der Simulation die gewünschten Ergebnisse zu sehen sind, kann operiert werden. Die neue Position der Kiefer wird mit sehr kleinen Titanplatten und Mini-Schrauben fixiert. In den ersten Wochen nach der Operation ist die Nahrungsaufnahme etwas erschwert. Weiche Kost und Flüssigkeiten sind am Anfang bevorzugt, um die Kiefer nicht zu belasten. Zur Freude vieler Geheilter ergibt sich hieraus ein nicht unerheblicher Gewichtsverlust. Ein stationärer Aufenthalt von zwei- bis sechs Tagen ist nach der Operation notwendig.


Abb. 3: Simulation der Atemwege und des
ästhetischen Ergebnisses. Vorher-Nachher
Simulation